Der Teufel in uns. 

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Ich verstehe nicht, warum Menschen solche Angst vor der Hölle haben. Vor diesem ungewissen Ort, von dem niemand weiß, ob er überhaupt existiert. Ein Ort, an dem es unendliche Qualen geben soll, an dem die Hitze so unerträglich ist, dass man sich am liebsten die Haut vom Körper reißen würde, bewacht von einem Teufel, der über diese Unterwelt herrscht.

Warum fürchten wir etwas, dessen Existenz niemals bewiesen wurde, während wir gleichzeitig kaum Angst vor der Realität haben? Denn wenn wir ehrlich sind, ist dieser angeblich fiktive Ort vielleicht gar nicht so fiktiv. Vielleicht ist er allgegenwärtig. Vielleicht leben wir längst in ihm.

Wir leben an einem Ort, an dem Menschen ausgebeutet werden, an dem sie verletzt, gebrochen und entstellt werden – körperlich, sowie innerlich. An einem Ort, an dem Worte Narben hinterlassen können, die tiefer gehen als jede sichtbare Wunde. Und der Teufel, vor dem alle Angst haben, sitzt nicht irgendwo tief unter der Erde auf einem brennenden Thron. Er sitzt in uns selbst.

Er zeigt sich in den Momenten, in denen wir Dinge tun, die wir später bereuen. Oder vielleicht schlimmer noch: in den Momenten, in denen wir sie nicht einmal bereuen. Er kommt hervor, wenn wir Menschen enttäuschen, wenn wir lügen, wenn wir Versprechen brechen, wenn wir andere verletzen, obwohl wir genau wissen, wie sehr es wehtun wird. Er lebt in unserer Impulsivität, in unserem Egoismus, in den Augenblicken, in denen wir unsere eigenen Gefühle über die der anderen stellen.

Und ja, niemand ist fehlerfrei. Niemand ist vollkommen frei von Dunkelheit. Ich glaube, der Teufel wohnt in uns allen, zumindest zu einem gewissen Grad. Zwar nicht als gehörnte Gestalt aus Geschichten, sondern als Teil in uns, der andere ausschließt, der kalt wird, der Menschen außen vor lässt, auch wenn er weiß, wie schmerzhaft Einsamkeit sein kann.

Vielleicht klingt das, was ich jetzt sagen werde, nach Doppelmoral. Doch ich glaube nicht, dass man jedem Menschen mit derselben Verantwortung begegnen kann. Beziehungen sind keine mathematischen Formeln, die sich für alle gleich lösen lassen. Nicht jeder Mensch erhält denselben Platz in unserem Herzen und deshalb tragen wir auch nicht für jeden dieselbe Verantwortung. 

Die Nuance liegt in der Nähe, je näher uns jemand steht, desto größer wird die Macht, die wir über ihn besitzen.

Denn Menschen, die uns egal sind, können uns vielleicht verletzen. Sie können uns enttäuschen und für einen Moment aus der Bahn werfen. Doch sie können uns nicht auf dieselbe Weise zerstören wie jene Menschen, die wir lieben und die Zugang zu den empfindlichsten Teilen unserer Seele haben, die unsere Hoffnungen und Unsicherheiten kennen und denen wir unser Vertrauen geschenkt haben.

Und vielleicht ist genau das die wahre Hölle: nicht Feuer oder ewige Strafen, sondern die Fähigkeit des Menschen, andere zu verletzen. Vielleicht ist die Hölle kein Ort, zu dem wir irgendwann gehen. Vielleicht erschaffen wir sie jeden Tag selbst, in kleinen Entscheidungen, in Worten, in Taten und in all den Momenten, in denen wir vergessen, wie viel Macht wir über das Herz eines anderen Menschen haben.

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